03.04.2025
Fondation Franz Weber et Helvetia Nostra

Helvetia Nostra reicht Beschwerde gegen das Projekt «Gondosolar» ein

Die Fondation Franz Weber und ihre Schwesterorganisation Helvetia Nostra (HN) stellen sich seit Beginn klar gegen das Projekt einer alpinen Photovoltaikanlage in Gondo im Wallis. Die Gründe: Das Projekt «Gondosolar» bedroht ein wertvolles alpines Ökosystem. Es gibt keine angemessenen Ausgleichsmassnahmen. Zudem wurden Alternativen nicht ernsthaft geprüft. Deshalb hat gestern Helvetia Nostra beim Walliser Staatsrat eine Beschwerde eingereicht.

«Gondosolar» ist ein Projekt für einen riesigen Solarpark in hochalpinem Gelände. In Gondo im Wallis sollen 2.200 auf beiden Seiten photoelektrisch aktive Solarzellen installiert werden. Diese Module sind vertikal auf kreuzförmigen Strukturen geplant. Die auf über 2000 Metern gelegene Anlage soll auf einer Fläche von rund 17.000 m² bis heute unberührter Natur gebaut werden. Das Projekt sieht zudem eine Rodung und Eingriffe in ein Grundwasserschutzgebietvor. Die Auswirkungen des Projekts auf die Landschaft und die Natur wären demnach gravierend!

Diese Folgen sind im Projekt jedoch schlecht oder gar nicht dokumentiert. Es gibt in der Schweiz bisher kein vergleichbares Vorhaben. Daher ist es für Behörden und die Öffentlichkeit sehr schwierig, die tatsächlichen Auswirkungen richtig einzuschätzen.Trotzdem wurden die Risiken dafür nie genau untersucht. Im Rahmen der Beschwerde fordert Helvetia Nostra deshalb ein gerichtliches Gutachten.

Neben den Umweltschäden weist das Projekt auch erhebliche technische und verfahrenstechnische Mängel auf. So wurde zum Beispiel keine Variantenstudie gemacht. Dabei gäbe es in der Region oder im Kanton andere Standorte, die besser geeignet wären. Diese Orte wären an bestehende Infrastrukturen angeschlossen. Sie sind zum Teil bereits bebaut und hätten vor allem deutlich geringere Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen.

Ausserdem wurde das Projekt nicht vollständig ausgearbeitet. Insbesondere die Umweltverträglichkeitsprüfung blieb unvollständig. Dabei hatte selbst die kantonale Dienststelle für Umwelt zahlreiche Kritikpunkte und Ergänzungswünsche geäussert.

Trotz all dieser Mängel hat die kantonale Baukommission das Projekt bewilligt. Dabei wurden zentrale Aspekte zum Schutz von Natur und Landschaft nicht berücksichtigt. Auch wurden keine angemessenen Ausgleichsmassnahmen verlangt. Diese Fragen sollen erst später geklärt werden – das ist nach Raumplanungsrecht nicht zulässig.

Anna Zangger, Rechtsanwältin und Co-Geschäftsführerin von Helvetia Nostra, sagt dazu: «Seit Beginn des Verfahrens – inklusive der rechtlichen Grundlagen – wurde alles überstürzt vorbereitet. Die Rechtmässigkeit wurde nicht geprüft. Auch die tatsächlichen Auswirkungen auf die Umwelt wurden nie seriös erhoben. Unsere Alpen haben etwas Besseres verdient.»

Für die Fondation Franz Weber und Helvetia Nostra ist klar: Ein Projekt dieser Grössenordnung und Tragweite darf nicht auf so leichtfertige Weise zugelassen werden. Deshalb wurde gestern beim Walliser Staatsrat eine formelle Beschwerde eingereicht.

Parallel dazu läuft beim Bundesamt für Energie ein Verfahren zur Genehmigung der elektrischen Infrastruktur, die für das Projekt notwendig wäre. Der Entscheid dazu steht noch aus. Auch gegen diesen Teil hat Helvetia Nostra bereits Einspruch eingelegt. Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber, zeigt sich besorgt. Sie kritisiert, dass Projekte wie «Gondosolar» nicht besser geplant und geprüft werden – weder auf kantonaler noch auf Bundesebene.

Für Vera Weber zeigt das Beispiel «Gondosolar» deutlich, wie wichtig das Beschwerderecht der Umweltorganisationen ist. Es sorgt dafür, dass Projekte sorgfältig geprüft werden. Und es verhindert, dass Natur und Landschaft leichtfertig geopfert werden: «Während der Kampagne zum Referendum gegen das Energiegesetz haben uns alle Befürworter – auch der Bundesrat – versichert, dass unser Beschwerderecht niemals in Frage gestellt wird“, so Vera Weber, «heute sind wir umso dankbarer dafür. Ohne unsere Wachsamkeit und ohne dieses Recht würden solche Projekte ohne grundlegende Umweltprüfung einfach durchgewunken.»

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